Abstract

Das Manuskript handelt vom demokratie- und friedenpolitischen Potenzial, der über Jahrhunderte verfolgten, diskriminierten, politisierten und daher ethnisierten Glaubensgemeinschaft der Alevit*innen, in den Gesellschaften (Türkei und Europa) in denen sie leben!

Die alevitische Lehre propagiert den Grundsatz der Gleichheit der Geschlechter, und die alevitischen Frauen* sind sichtbar, allerdings haben sie in der Praxis keine gesellschaftspolitische Entscheidungs- und Gestaltungsmacht. Diese Arbeit plädiert für die Entwicklung eines differenzfeministischen Ansatzes, um zunächst mit der Illusion über die Existenz der Gleichberechtigung der Geschlechter in den alevitischen Gesellschaftsgruppen zu brechen. Sechs Expert*inneninterviews zeigen, dass ein relevantes Bewusstsein für die organisierte Forderung von Gleichberechtigung nicht besteht.

Mittels inhaltlich-diskursanalytischem Vorgehen, teilnehmender Beobachtung, gesellschafts- und geo-politischer Analyse aktueller politischer Ereignisse in der Türkei, im Naher Osten und in Europa, wird der strategische Essentialismus, welcher auf die differenzfeministische Notwendigkeit aufbaut, argumentativ in drei Dimensionen gegliedert und ausgeführt. Diskutiert wird die Entwicklung einer klaren politischen Positionierung, die die Alevit*innen dazu befähigen soll, Demokratieentwicklungs- und Stabilisierungsprozesse in den Gesellschaften, in denen sie leben, (mit) zu initiieren und zu unterstützen.

Besonders in politisch bewegten Zeiten, in denen Menschen* unterschiedlichster Herkunft, sozialer, ökonomischer und politischer Situationen, gemeinsame Lebensräume zu teilen bestimmt sind, gilt es, das demokratiepolitische Potenzial des auf Humanismus, Pluralismus und Frieden aufbauende Alevit*innentümer, im Sinne der Entwicklung einer gesellschaftlichen Dialogkultur, nicht zu unterschätzen.

Die Arbeit kommt zum Schluss, dass für Mitglieder pluralistischer Gesellschaften das friedliche Zusammenleben ihrer und der nächsten Generationen, eine gemeinsame Motivation dafür sein kann, Demokratiepolitik miteinander zu gestalten.

 

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